So berechnest du Überstunden
Überstunden sind der Unterschied zwischen den Stunden, die du gearbeitet hast, und denen, die du hättest arbeiten sollen. Schwierig ist nur, Letztere richtig zu bestimmen.
Kurz gefasst:
- Berechne dein Wochenziel: deine Stunden pro Tag × deine Arbeitstage.
- Ziehe die freien Tage ab: Ein ganzer freier Tag zieht einen Tag ab, ein halber den halben.
- Addiere die in der Woche gearbeiteten Stunden, in Dezimalstunden.
- Ziehe das Ziel von den gearbeiteten Stunden ab: Über null sind es Überstunden, darunter Minusstunden.
- Addiere das Ergebnis jeder Woche zu einem laufenden Saldo.
Schritt 1: dein Wochenziel berechnen
Dein Ziel sind die Stunden, die dein Vertrag für eine normale Woche vorsieht. Nennt dein Vertrag Stunden pro Tag, multipliziere sie mit deinen Arbeitstagen: 8 Stunden × 5 Tage = 40 Stunden. Eine Teilzeitstelle mit 6 Stunden an 4 Tagen ergibt eine Woche von 24 Stunden.
Schritt 2: nach freien Tagen anpassen
Eine Woche mit einem freien Tag ist keine normale Woche, und du solltest nicht benachteiligt werden, weil du an einem Feiertag nicht arbeitest. Ziehe jeden freien Tag vom Ziel ab:
- Ein ganzer freier Tag (Urlaub, Krankheit, Feiertag) zieht einen ganzen Tag ab: 40 − 8 = 32 Stunden.
- Ein halber freier Tag zieht einen halben Tag ab: 40 − 4 = 36 Stunden.
Schritt 3: die gearbeiteten Stunden addieren
Addiere die Stunden jedes Tages. Notierst du Stunden und Minuten, rechne sie zuerst in Dezimalstunden um, indem du die Minuten durch 60 teilst, oder nutze den Dezimalstunden-Umrechner: 8:45 + 8:30 sind 17:15, nicht 16:75.
Schritt 4: subtrahieren
Überstunden = gearbeitete Stunden − Ziel. Ein positives Ergebnis sind Überstunden, ein negatives Zeit, die du noch schuldest.
Durchgerechnete Beispiele
| Woche | Ziel | Gearbeitet | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Normale Woche | 40 h | 43,5 h | +3,5 h Überstunden |
| Feiertag am Montag | 32 h | 34 h | +2 h Überstunden |
| Halber freier Tag am Freitag | 36 h | 35 h | −1 h Minusstunden |
| Teilzeit, Vertrag mit 24 h | 24 h | 27,25 h | +3,25 h Überstunden |
Probiere deine eigene Woche im Wochen-Überstundenrechner aus.
Schritt 5: einen laufenden Saldo führen
Eine einzelne Woche sagt wenig: Eine Woche mit 45 Stunden, gefolgt von einer mit 35, gleicht sich aus. Was für den Ausgleich von Stunden, für Gleitzeit oder für das Gespräch mit deiner Führungskraft zählt, ist der laufende Saldo, also die Überstunden aller Wochen zusammengerechnet (in Deutschland spricht man oft vom Arbeitszeitkonto). Hast du mit der Erfassung begonnen, als du schon eine Weile im Job warst, starte mit dem Saldo, den du schon hattest.
Ab wann ist es zu viel?
Eine einzige Antwort gibt es nicht, aber eine gute Regel ist, deinen Durchschnitt des letzten Monats anzusehen, nicht eine einzelne Woche. Clockflux sieht bis zu 12,5 % über dem Ziel (40 bis 45 Stunden in einer normalen Woche) als im grünen Bereich an und kennzeichnet alles darüber als Trend, den man bemerken sollte. Die Regeln zur Höchstarbeitszeit unterscheiden sich je nach Land: In der Europäischen Union begrenzt die Arbeitszeitrichtlinie die durchschnittliche Woche auf 48 Stunden, Überstunden eingeschlossen. In Deutschland erlaubt das Arbeitszeitgesetz grundsätzlich 8 Stunden pro Werktag, verlängerbar auf bis zu 10 Stunden, solange innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen im Durchschnitt 8 Stunden werktäglich nicht überschritten werden; zwischen zwei Arbeitstagen müssen außerdem mindestens 11 Stunden Ruhezeit liegen (§ 5 ArbZG). Was lange Wochen mit deinen Abenden und deiner Gesundheit machen, liest du in wo die Arbeit endet.
Bezahlte oder ausgeglichene Überstunden
Ob Mehrstunden bezahlt, mit Zuschlag vergütet, mit Freizeit ausgeglichen oder einfach vorausgesetzt werden, hängt von deinem Arbeitsvertrag, einem Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung ab. In Deutschland legt das Arbeitszeitgesetz Höchstgrenzen fest, schreibt aber weder eine Vergütung noch einen Zuschlag für Überstunden vor; die Vergütung oder der Ausgleich über ein Arbeitszeitkonto richtet sich nach dem, was vereinbart ist. Wie auch immer: Deinen genauen Saldo zu kennen ist der erste Schritt, und deine Stunden zu erfassen ist der Weg dorthin.
Wie berechnet man die Überstundenvergütung?
Wenn dir Überstunden bezahlt werden, multipliziere sie mit deinem Stundenlohn und dem Zuschlag, den dein Tarif- oder Arbeitsvertrag vorsieht:
Vergütung = Überstunden × Stundenlohn × (1 + Zuschlag)
- Das Arbeitszeitgesetz legt keinen Mindestzuschlag fest: Ob es einen gibt, bestimmen Arbeits- oder Tarifvertrag. Ohne Zuschlag werden die Stunden mit dem normalen Stundenlohn vergütet (× 1).
- Viele Verträge sehen einen Zuschlag vor, zum Beispiel 25 % (× 1,25).
Dein normaler Stundenlohn ist dein Jahresgehalt ÷ deine Jahresarbeitsstunden. Bei 18.000 € im Jahr und 1.800 Stunden: 10 € pro Stunde. Eine Woche mit 3,5 Überstunden und einem Zuschlag von 25 % sind 3,5 × 10 € × 1,25 = 43,75 €. Der Überstundenrechner übernimmt diese Rechnung, wenn du deinen Stundenlohn eingibst.
Lass eine App den Saldo führen
Clockflux erledigt jeden dieser Schritte automatisch: Es kennt deine Arbeitstage, zieht freie Tage vom Ziel ab und führt einen laufenden Überstundensaldo mit einem Diagramm seiner Entwicklung. Siehe Überstunden und Work-Life-Balance.
Quellen
- Europäische Kommission: die Arbeitszeitrichtlinie
- Arbeitszeitgesetz (ArbZG), § 3 Arbeitszeit der Arbeitnehmer
- Arbeitszeitgesetz (ArbZG), § 16 Aushang und Arbeitszeitnachweise